Sie sind hier: zahnzusatzversicherungsvergleich.org > Informationen > Was ist nicht versichert?
Donnerstag, den 17. August 2017

Was ist nicht versichert? ⟫ Grenzen der Zahnversicherung

Frau mit LupeIn Deutschland existierten im Jahr 2013 von mehr als 23,5 Millionen Krankenzusatzversicherungen knapp 13,8 Millionen Zahntarife. Die Zahngesundheit und das strahlende Lächeln liegen vielen Verbrauchern also am Herzen. Der Grund, warum gerade Zahnzusatzversicherungen so deutlich an der Spitze bei den Krankenzusatztarifen liegen, ist relativ simpel: In keinem anderen Bereich der Gesundheitsfürsorge werden Kassenpatienten seit einigen Jahren so stark zur Kasse gebeten. Neben der Tatsache, dass in der Füllungstherapie oft noch das umstrittene Amalgam als Regelversorgung gilt und der als unbedenklich geltende Kunststoff eine Privatleistung ist, ist der Eigenanteil beim Zahnersatz ein schweres finanzielles Risiko.

Fehlt Ihnen ein Zahn - etwa aufgrund eines Sturzes mit dem Rad - müssen Sie zwischen 35 Prozent bis 50 Prozent der zahnärztlichen Leistungen aus eigener Tasche finanzieren. Wie teuer bereits die einfache Versorgung des fehlenden Zahns werden kann, machen unsere Erstattungsbeispiele deutlich. Es gibt also gute Gründe, die für eine Zahnzusatzversicherung sprechen.

Bevor Sie sich einfach aus dem Bauch heraus für deren Abschluss entscheiden, muss Ihnen folgender Grundsatz klar sein: Die Zahnzusatzversicherung ist kein Blankoscheck, auf dessen Basis Sie jede erdenkliche Behandlung durchführen lassen können. Was viele Verbraucher bei der Unterschrift vergessen sind die Leistungsausschlüsse. Letztere verbergen sich meist im Kleingedruckten bzw. den Allgemeinen Versicherungsbedingungen und können zum Boomerang werden. Beispiel: Sie nehmen eine nicht von der Krankenkasse gedeckte Behandlung in Anspruch und verlassen sich auf die Erstattung durch Ihren Zahnzusatztarif. Der Versicherer lehnt den Leistungsantrag aber ab. Auf den Behandlungskosten bleiben Sie dann zu 100 Prozent sitzen, was mehr als ärgerlich ist und regelmäßig zu juristischen Auseinandersetzungen führt. Es macht deshalb durchaus Sinn, die Frage nach den Leistungsausschlüssen zu stellen.

Unser Tipp: Als kleines Trostpflaster können Sie entstandene Behandlungskosten (die nicht erstattet werden) einkommenssteuerlich geltend machen. Diese gelten nach § 33 EStG als außergewöhnliche Belastung und wirken sich - sofern festgelegte Grenzbeträge überschritten werden - steuermindernd aus. Die Höhe hängt im Wesentlichen vom Familienstand und dem Einkommen ab.

Familienstand

Einkommen pro Jahr (in Euro)

- bis 15.340 Euro

- bis 51.130 Euro

- ab 51.130 Euro

- ledig

5 Prozent

6 Prozent

7 Prozent

- verheiratet

4 Prozent

5 Prozent

6 Prozent

- bis 2 Kinder

2 Prozent

3 Prozent

4 Prozent

- mehr als 2 Kinder

1 Prozent

1 Prozent

2 Prozent

Stand: 06.03.2014

Zahnzusatztarife: Was ist nicht versichert?

Zahnzusatzversicherungen sind für Kassenversicherte in den letzten Jahren zunehmend interessanter geworden. Mit dem Markt ist auch die Zahl der Tarifmodelle gewachsen. Es droht die Gefahr, sich als Laie im Tarifdschungel zu verlieren. Gerade bei den Leistungsausschlüssen kann eine Fehlentscheidung fatale Folgen haben.

Grundsätzlich können die Gesellschaften eine Kostenübernahme aus zwei Gründen ablehnen:

  • die in Anspruch genommene Behandlung ist nicht versichert oder
  • gehört zu den vertraglich vereinbarten Leistungsausschlüssen.
     

Welche Bedeutung hat diese Aussage für die Praxis? Bezüglich einer nicht versicherten Behandlung ist der Fall recht klar. Sie als Versicherungsnehmer können vom Versicherer eine Erstattung nur verlangen, wenn Leistungen tatsächlich Gegenstand des Versicherungsvertrags sind.

Beispiel: Im Versicherungsvertrag findet sich in der Klausel „Unsere Versicherungsleistung“ folgende Formulierung:

Versichert sind ausschließlich Aufwendungen für Zahnersatz bis 85 Prozent der Behandlungskosten (einschließlich der Implantologie) sowie eine PZR (Professionelle Zahnreinigung) je Versicherungsjahr.

Nehmen Sie jetzt eine kieferorthopädische Behandlung in Anspruch, erbringt Ihr Zahnarzt eine nicht erstattungsfähige Leistung. Übrigens kommt es für die Frage, ob Sie die Leistungen einer Zahnzusatzversicherung in Anspruch nehmen können oder nicht, auch auf die Frage an, warum die Behandlung nötig wurde. Beispielsweise können die Gesellschaften eine Erstattung ablehnen, wenn Sie einen Zahn bei einem Arbeitsunfall verlieren. Schuld ist eine Klausel in vielen Versicherungsbedingungen, die Leistungen für den Fall einer Zuständigkeit von gesetzlicher Unfall- und Rentenversicherung ausschließt.

Wesentlich schwieriger zu durchschauen sind konkrete Leistungsausschlüsse auf Basis der Versicherungsbedingungen. Hintergrund: Zwar existieren in den meisten AVB (Allgemeine Versicherungsbedingungen) zur Zahnzusatzversicherung der einzelnen Gesellschaften konkrete Leistungsausschlussklauseln. In den Beschreibungen der einzelnen Leistungsbereiche verstecken sich aber weitere Ausschlüsse, die Ihnen als Laie nicht sofort ins Auge fallen.

Beispiel: Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) für den Kombi Med Zahn Tarif KDBE der DKV sichern dem Versicherten in Punkt 1.2 Leistungen für die Kieferorthopädie zu - inklusive der Material- und Laborkosten. Allerdings werden diese Leistungen in Abhängigkeit vom Alter des Versicherungsnehmers eingeschränkt, die Behandlung muss (als zwingende Anspruchsvoraussetzung) vor dem Ende des 18. Lebensjahres begonnen werden.

Die bisher genannten Leistungsausschlüsse treffen jeden Versicherten - egal welchen Geschlechts und Alters. In Ihrer Zahnzusatzversicherung können darüber hinaus individuelle Ausschlüsse eingebunden sein. Der Grund: Bei einigen Gesellschaften gehört es zu den Annahmevoraussetzungen, dass Sie sich in keiner laufenden zahnärztlichen Behandlung befinden - und Ihr Zahnarzt zu keiner Behandlung geraten hat.

Wichtig: Die Rechtsprechung hat sich in der Vergangenheit mehrfach mit der Frage auseinandersetzen müssen, zu welchem Zeitpunkt eine Behandlung beginnt. Etabliert haben sich hier der Moment der Diagnosestellung und das Anraten zu einer Therapie. Behalten Sie diesen Aspekt bei der Suche nach einem Zahnschutztarif sowie dem Abschluss der Zahnzusatzversicherung immer im Hinterkopf.

Gleiches gilt für fehlende Zähne. Allerdings weichen diverse Gesellschaften vom rigiden Kurs mancher Versicherer ab. Trotz laufender Behandlung und fehlender Zähne (Milch- und Weisheitszähne gehören in der Regel nicht dazu) ist ein Abschluss möglich - allerdings nur durch den Abschluss persönlicher Leistungsausschlüsse. Beispiel: Sie tragen seit drei Jahren eine Knirscherschiene. Ihr Versicherer hält Sie zwar immer noch für versicherbar, aber nur bei vereinbartem Ausschluss für die Knirscherschiene bzw. Bruxismus (eine Folgeerkrankung des Zähneknirschens). Ähnlich kann die Situation bei fehlenden Zähnen oder einer vor dem Vertragsschluss angeratenen Behandlung sein. Die Gesellschaften bieten Ihnen zwar den Versicherungsschutz an, klammern dieses bekannte Kostenrisiko aber aus.

Unser Tipp: Die Handhabung fehlender Zähne variiert zwischen den Gesellschaften sehr stark. Nehmen Sie sich die Zeit für einen intensiven Vergleich der einzelnen Zahnzusatzversicherungen. Und lesen die Versicherungsbedingungen sehr genau. Denn mitunter kann auch herausnehmbarer Zahnersatz zum Problem werden.

Leistungsausschlüsse - vermeiden Sie Überraschungen

Fazit: Auch wenn eine Zahnzusatzversicherung mit vorteilhaften Leistungen lockt, sollten Sie nie blind unterschreiben. Das Lesen der Versicherungsbedingungen gehört zu jedem Vergleich. Gerade aufgrund der teilweise umfassenden Ausschlussklauseln müssen Sie sich vor der Unterschrift darüber informieren, zu welchem Zeitpunkt auf welche Leistungen ein verbindlicher Anspruch besteht.

Haben Sie die Zahnzusatzversicherung erst einmal unterschrieben und waren beim Zahnarzt, ist es zu spät - Ihnen droht eine unangenehme Überraschung. Nehmen Sie am besten vor jeder umfangreicheren Behandlung Kontakt zum Versicherer auf - und klären alles Weitere (inklusive der Erstattungsfrage) ab. Es rechnet sich zudem, laufende Behandlungen vor der Suche nach einem Zahnschutztarif abzuschließen. Nur so vermeiden Sie eventuell fällige Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse, die letzten Endes zulasten Ihrer Gesundheit gehen.

Unser Tipp: Werden Sie vom Versicherer beim Antrag nach laufenden Behandlungen oder Ähnlichem gefragt, sind die entsprechenden Angaben wahrheitsgemäß zu machen. Andernfalls steht später der Vorwurf einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung (Verstoß gegen § 19 VVG) im Raum, die zur Leistungsfreiheit und Rücktritt vom Versicherungsvertrag seitens der Gesellschaft führen kann.

Bild © Kitty - Fotolia.com